Der Deutsche Freidenker-Verband ist Weltanschauungsgemeinschaft, Kulturorganisation und Interessenvertretung konfessionsfreier Menschen.
Mit dem Erstarken der Arbeiterbewegung wuchs zugleich das Bestreben, nicht nur “frei in der Religion”, sondern gänzlich “frei von Religion” zu sein. Schulentlassungsfeier und Jugendweihen als Alternative zur Konfirmation werden durchgeführt, sie überwanden zunehmend religiöse Formen und Inhalte.
Nachdem 1880 in Brüssel der “Internationale Freidenkerbund” gebildet worden war, beginnt am 10. April 1881 in Frankfurt am Main die Geschichte der organisierten deutschen Freidenkerbewegung mit der Gründung des “Deutschen Freidenkerbundes”, zu dessen Gründern Ludwig Büchner und Wilhelm Liebknecht gehörten.
Die Organisation wurde als “bürgerlich” bezeichnet, da sie, wie das Bürgertum früher, den Schwerpunkt auf die Aufklärung und Bildungsarbeit legte. Gleiches gilt für den 1906 von Ernst Haeckel gegründeten “Deutschen Monistenbund”, der für eine freigeistige Weltanschauung auf naturwissenschaftlicher Grundlage eintrat.
Nach dem Freidenker-Weltkongress in Rom 1904 bildeten im Februar 1905 zwölf Sozialdemokraten in Berlin den “Verein der Freidenker für Feuerbestattung”. Im September 1908 wurde in Eisenach der “Zentralverband Deutscher Freidenker” gegründet, der sich ab 1911 “Zentralverband proletarischer Freidenker”, und ab 1922 “Gemeinschaft Proletarischer Freidenker” nannte.
Die 1905 und 1908 entstandenen Freidenker-Verbände verstanden sich beide als sozialistische, der Arbeiterbewegung verbundene Organisationen. Im Unterschied zu den bürgerlichen Atheisten sahen sie nicht im Gottesglauben den Hemmschuh für den Fortschritt, sondern in der auf Unterdrückung beruhenden Klassengesellschaft.
Sie folgerten daraus, den Kampf gegen Religion und Kirche nicht allein und in erster Linie im Reich der Gedanken, sondern vor allem gesellschaftspolitisch zu führen. Beide Verbände konnten nach dem Ersten Weltkrieg einen enormen Mitgliederzuwachs verzeichnen.
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